15 Dezember 2025
Organisation & Prozesse

In vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen ist Marketing kein klar definierter Bereich. Es läuft nebenbei, wird auf einzelne Schultern verteilt oder direkt von der Geschäftsführung gesteuert. Was pragmatisch beginnt, entwickelt sich oft zu einer dauerhaften Unsicherheit: Maßnahmen wirken zufällig, Ergebnisse bleiben schwer greifbar und Marketing wird eher als Belastung denn als Unterstützung empfunden. Der entscheidende Hebel liegt dabei selten in neuen Maßnahmen oder Kanälen, sondern in der Frage, wie Marketing organisatorisch verankert ist – und welche Struktur es braucht, um wirksam zu werden.

 

Marketing im Mittelstand: Zwischen Verantwortung und Nebenaufgabe

Die Realität in vielen mittelständischen Unternehmen ist ähnlich. Marketing ist kein eigenständiger Funktionsbereich, sondern eine Zusatzaufgabe. Eine Person kümmert sich „auch noch“ um Website, Social Media, Anzeigen oder externe Dienstleister – häufig neben Vertrieb, Assistenz, Projektarbeit oder operativer Verantwortung. Alternativ liegt Marketing direkt bei der Geschäftsführung. Entscheidungen werden schnell getroffen, Budgets situativ freigegeben und Maßnahmen initiiert, wenn es notwendig erscheint.

Dieses Modell entsteht nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Pragmatismus. Im Mittelstand stehen operative Themen im Vordergrund: Kunden, Mitarbeitende, Lieferfähigkeit, Wirtschaftlichkeit. Marketing bekommt Aufmerksamkeit, wenn ein Problem sichtbar wird, aber selten dann, wenn es in Ruhe aufgebaut werden müsste. Genau dadurch wird Marketing reaktiv. Es folgt Ereignissen statt einer Richtung. Die Folge ist nicht unbedingt „schlechtes Marketing“, sondern unzuverlässiges Marketing: mal aktiv, mal monatelang still, mal mit Kampagne, mal ohne Anschluss.

Das führt zu einem typisch mittelständischen Muster: Marketing hängt am Zeitfenster einzelner Personen. Wenn diese Person Urlaub hat, krank ist oder in Projekten gebunden ist, stoppt Marketing. Wenn die Geschäftsführung gerade andere Prioritäten hat, stoppt Marketing. So entsteht eine Organisation, in der Marketing nicht nur ein Thema ist, sondern ein permanenter Engpass.

 

Wenn Struktur fehlt: Warum Marketing an Wirkung verliert

Fehlt eine organisatorische Grundlage, fehlt Marketing ein verbindlicher Rahmen. Maßnahmen stehen nebeneinander, statt sich gegenseitig zu verstärken. Inhalte entstehen unregelmäßig, Kampagnen greifen nicht ineinander und externe Partner arbeiten isoliert. Es wird „gemacht“, aber nicht systematisch „aufgebaut“.

Erfolg oder Misserfolg lässt sich kaum einordnen, weil Ziele und Messgrößen fehlen. Wenn Anfragen zurückgehen, ist unklar, ob es am Markt liegt, am Vertrieb, am Angebot oder am Marketing. Wenn Anfragen steigen, ist unklar, welcher Faktor den Ausschlag gegeben hat und wie sich dieser Effekt reproduzieren lässt. In vielen Unternehmen bleibt Marketing damit eine Blackbox: teuer, zeitintensiv, aber schwer steuerbar.

Typisch ist das Gefühl, viel zu tun und wenig zu erreichen. Marketing wird als Kostenstelle wahrgenommen, nicht als strategisches Instrument. Dabei liegt das Problem selten in der Qualität einzelner Maßnahmen. Häufig sind Ideen gut, Inhalte solide und Dienstleister kompetent. Was fehlt, ist die Ordnung, die alles zusammenhält: klare Ziele, klare Rollen, klare Abläufe, klare Prioritäten.

Gerade im Mittelstand wird Marketing zudem häufig mit Gestaltung verwechselt. Ein neues Design, neue Website, neue Broschüre. Das kann sinnvoll sein, löst aber selten das eigentliche Problem. Denn Gestaltung ist nur ein Ausdruck. Wirksamkeit entsteht durch Wiederholung, Konsistenz und Anschlussfähigkeit. Wenn die Organisation dahinter fehlt, bleibt es beim „neuen Anstrich“, der intern kurz Energie erzeugt, aber extern keine stabile Wirkung entfaltet.

 

Orientierung und Organisationsmodelle im Mittelstand

Bevor Unternehmen über Kanäle, Tools oder Budgets sprechen, sollten sie eine grundlegende Frage beantworten: Wie soll Marketing im Unternehmen funktionieren – und welchen Beitrag soll es leisten?

Soll Marketing primär Sichtbarkeit erzeugen, den Vertrieb unterstützen, Mitarbeitende gewinnen, die Marke stärken oder mehrere Ziele gleichzeitig bedienen? In vielen Unternehmen lautet die unausgesprochene Antwort: „Alles.“ Das ist verständlich, führt aber zu Überforderung, weil nicht gleichzeitig alles mit derselben Qualität bearbeitet werden kann. Marketing wird dann zu einem Sammelbecken für Erwartungen, ohne dass priorisiert wird.

Im Mittelstand ist es deshalb entscheidend, Marketing als Prozess zu begreifen, nicht als Projekt. Ein Projekt hat ein Ende. Marketing nicht. Marketing begleitet das Unternehmen dauerhaft. Es braucht daher Verantwortlichkeit und Rhythmus: Wer plant? Wer priorisiert? Wer entscheidet? Wer misst? Wer lernt daraus?

In der Praxis tauchen immer wieder zwei extreme Organisationsmodelle auf. Entweder Marketing liegt vollständig bei einer einzelnen Person, die operativ stark eingebunden ist und ständig improvisieren muss. Oder Marketing ist Chefsache, was schnelle Entscheidungen ermöglicht, aber stark von Zeit, persönlichem Interesse und Tagesform abhängt. Beide Modelle können kurzfristig funktionieren, sind aber langfristig instabil, weil sie nicht robust sind.

Was häufig fehlt, ist eine vermittelnde Ebene: eine klare organisatorische Rolle, die Marketing koordiniert, priorisiert und weiterentwickelt. Diese Rolle muss nicht vollzeitlich besetzt sein, aber sie muss existieren und handlungsfähig sein. Sie sorgt dafür, dass Marketing nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Ohne diese Rolle bleibt Marketing abhängig von Zufall und Verfügbarkeit.

 

Warum Wettbewerber oft „besser“ wirken, obwohl sie nicht besser sind

Viele mittelständische Unternehmen spüren irgendwann: Wettbewerber sind sichtbarer, professioneller, präsenter. Sie wirken moderner, obwohl das Produkt objektiv nicht besser ist. Sie gewinnen Bewerbungen, obwohl die Arbeitsbedingungen ähnlich sind. Sie werden häufiger empfohlen, obwohl die Leistung vergleichbar ist. Das erzeugt Frustration und führt schnell zu dem Schluss, man müsse „mehr Marketing machen“.

In vielen Fällen ist die Erklärung jedoch einfacher und gleichzeitig unangenehmer: Wettbewerber sind nicht unbedingt kreativer oder budgetstärker, sondern konsequenter organisiert. Sie haben ein System, das dafür sorgt, dass Marketing regelmäßig passiert, nicht nur dann, wenn Zeit übrig ist. Sie haben klare Zuständigkeiten, sodass Entscheidungen schneller getroffen werden. Sie haben klare Prozesse, sodass Content und Kampagnen nicht jedes Mal neu erfunden werden müssen. Und sie haben eine Linie, die sich über Monate und Jahre wiederholt.

Das führt zu einem kumulativen Vorteil. Sichtbarkeit wächst nicht linear, sondern durch Kontinuität. Wer regelmäßig präsent ist, wirkt etabliert. Wer regelmäßig kommuniziert, wird erinnert. Wer regelmäßig Inhalte ausspielt, wird vom Markt als „aktiv“ wahrgenommen. Daraus entsteht ein Wettbewerbsvorteil, der weniger mit Genialität zu tun hat als mit Struktur.

Hinzu kommt: Gut organisiertes Marketing sorgt für weniger Reibungsverluste. Wenn ein Wettbewerber klar definiert hat, wer entscheidet, wer umsetzt und wie gemessen wird, entstehen weniger Pausen. Pausen sind im Marketing teuer, weil sie Momentum zerstören. Viele Mittelständler verlieren nicht wegen schlechter Maßnahmen, sondern wegen Unterbrechungen. Wettbewerber gewinnen nicht durch einzelne brillante Kampagnen, sondern durch weniger Lücken.

Ein weiterer Effekt ist Vertrauen. Märkte interpretieren Sichtbarkeit als Stabilität. Wenn ein Anbieter regelmäßig kommuniziert, wirkt er verfügbar, professionell und verlässlich. Selbst wenn die Kommunikation schlicht ist, erzeugt sie ein Gefühl von Präsenz. Wer dagegen nur sporadisch sichtbar wird, wirkt wechselhaft. Das ist selten beabsichtigt, aber es ist die Wahrnehmung im Markt.

 

Struktur als Grundlage für Zusammenarbeit und Entwicklung

Gerade im Mittelstand besteht oft die Sorge, dass Struktur Marketing verlangsamt. Das Gegenteil ist der Fall. Struktur reduziert Reibung. Sie schafft Orientierung, vermeidet Doppelarbeit und sorgt dafür, dass Entscheidungen nicht jedes Mal neu getroffen werden müssen.

Klare Abläufe helfen dabei, Marketing in den Arbeitsalltag zu integrieren. Sie entlasten einzelne Personen, weil nicht alles gleichzeitig entschieden und umgesetzt werden muss. Struktur bedeutet nicht mehr Regeln, sondern weniger Unklarheit. Sie sorgt dafür, dass Marketing planbar wird, auch wenn Ressourcen begrenzt sind.

Externe Unterstützung wird im Mittelstand häufig punktuell eingesetzt: für eine neue Website, eine Kampagne oder einzelne Kanäle. Problematisch wird das, wenn diese Leistungen nicht in ein übergeordnetes System eingebunden sind. Dann entstehen gute Einzelmaßnahmen ohne nachhaltige Wirkung, weil Anschluss und Weiterentwicklung fehlen.

Sinnvoll eingesetzt, kann externe Unterstützung helfen, Ordnung in bestehende Strukturen zu bringen. Sie kann dabei unterstützen, Ziele zu schärfen, Prozesse zu definieren und Prioritäten festzulegen. Nicht als Ersatz für interne Verantwortung, sondern als Ergänzung, die Klarheit schafft und Entwicklung ermöglicht. Entscheidend ist dabei weniger, wie viel ausgelagert wird, sondern ob intern ein klares Zusammenspiel existiert: Wer liefert Informationen? Wer entscheidet? Wer hält den Takt? Wer bewertet Ergebnisse?

Damit Marketing wirksam wird, braucht es einen festen Platz im Unternehmen. Klare Zuständigkeiten, einen definierten Rhythmus und regelmäßige Überprüfung. Marketing darf nicht dann stattfinden, wenn Zeit übrig ist, sondern muss Teil der laufenden Unternehmenssteuerung sein. Gerade im Mittelstand ist diese Verbindlichkeit oft der Unterschied zwischen „wir machen auch Marketing“ und „Marketing arbeitet für das Unternehmen“.

Märkte verändern sich, Kanäle entwickeln sich weiter und Anforderungen wachsen. Marketing im Mittelstand muss deshalb lernfähig bleiben. Eine klare Organisation schafft den Rahmen dafür. Sie ermöglicht es, Erfahrungen auszuwerten, Maßnahmen anzupassen und Wissen im Unternehmen aufzubauen. Ohne Struktur beginnt Marketing immer wieder bei null. Mit Struktur wird Marketing zu einem Instrument, das sich weiterentwickelt und langfristig trägt.

 

Fazit

Marketing im kleinen und mittelständischen Unternehmen scheitert selten an mangelndem Einsatz oder fehlenden Ideen. Es scheitert an fehlender Organisation. Wenn Marketing „mitläuft“, bleibt sein Potenzial ungenutzt und erzeugt Frustration.

Eine klare Marketingorganisation schafft Orientierung, entlastet handelnde Personen und macht Wirkung sichtbar. Sie ist keine Frage von Größe oder Budget, sondern von Führung und Klarheit. Und sie ist ein Wettbewerbsvorteil: Nicht, weil Struktur „schöner“ ist, sondern weil sie Kontinuität erzeugt. Genau diese Kontinuität ist es, die Wettbewerber häufig stärker wirken lässt – selbst dann, wenn sie fachlich nicht besser sind.

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Christian Amberger
CEO

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